Gastfreundschaft “Made in China”

Gastfreundschaft “Made in China”

Dies ist die letzte Episode aus der Inneren Mongolei. Verabschiedet euch von den nomadischen Stämmen, all dem Gras und Hammelfleisch. Doch bevor wir die Provinz endgültig verlassen, seien noch ein paar Worte zu den wundervollen Menschen in der Stadt Wulanhot gesagt.

Huanying Ni – Willkommen

Mir scheint es, als würde dem Wort Gastfreundschaft in asiatischen Kulturen ein hoher Stellenwert beigemessen werden, vielleicht sogar mehr als in der westlichen Welt bezogen darauf, wie man sich um das Wohlbefinden seiner Gäste sorgt. Egal ob gegenüber Freunden oder komplett Fremden, ich habe persönlich immer das Gefühl als Gast oder “ausländischer Freund” wie man in China sagt, wahrhaft willkommen zu sein. Diese Gastfreundschaft geht über ein paar freundliche Begrüßungsfloskeln deutlich hinaus. Folgend nur eine von vielen dieser Situationen:

Wie im letzten Artikel beschrieben, habe ich es mit meinem zerfetzten Reifen bis in die mongolische Stadt Wulanhot geschafft, alles dank der Hilfe von Bruder Bao. Mit einer Engelsgeduld begleitet er mich von einem Radladen in den nächsten, um den passenden Reifen zu finden. Als dieser beschafft ist, danke ich ihm von Herzen und mache mich schon zum Aufbruch bereit, als Bao mich auffordert zurück in den Wagen zu steigen. Der Spaß ginge doch jetzt erst los. Ich solle seine Familie und seine Freunde kennenlernen. Also holen wir erst seine Tochter von der Schule ab, dann seine Frau von der Arbeit und fahren kurz zu ihm nach Haus. Kurzerhand wird ein Treffen mit Freunden aus dem Boden gestampft und es geht in ein Restaurant. Was folgt eist in ganzer Abend voller Essen, Bier und Schnaps. Einer seiner guten Freunde, Bruder Fu, betreibt einen italienischen Gelato Shop, an dem wir natürlich in trunkenem Zustand nicht nur vorbeigehen, sondern auch die neuen Sorten probieren müssen. Am nächsten Tag lerne ich dann auch den Bruder von Fu kennen. Wieder holen wir die Kinder von der Schule ab, danach wird reichlich aufgetischt, Eiscreme verzehrt und ein sehr persönliches Verhältnis untereinander aufgebaut. Ich bin zwar erst 2 Tage in der Stadt, doch habe ich das Gefühl, schon eine handvoll Menschen zu kennen. Und die bitten mich, noch viel länger dazubleiben.

Diese Art von Gastfreundschaft im Land ist unvergleichlich. Für einen Ausländer zuweilen vielleicht sogar unheimlich. Für die gesamte Zeit bestand Bruder Bao darauf, selbst ein Hotel für mich zu organisieren und zu zahlen. Dies abzulehnen würde als Zurückweisung gelten, obwohl es sich auch etwas unangenehm anfühlt, so bewirtet zu werden. Auch gehört es sich, dass der Gastgeber dir beim Abschied so viel Proviant aufdrängt, dass es nicht in die Tasche passt und bis zur letzten Sekunde an deiner Seite verweilt, und sich Stunden/Tage, sogar Wochen danach nach deinem Wohlergehen sorgt.

Vielleicht ist es einer von vielen Gründen, warum Chinesen die Deutschen zuweil als kalt und abweisend wahrnehmen. Was in der einen Kultur als Fürsorge gilt, wird in der anderen als Einengung empfunden. Dies führt nicht selten zu Misverständnissen und bedarf einiges an Erklärung und Sensibilität. Vielleicht wäre ein erster Schritt, dem nächsten Chinesen einen Apfel und eine Schnitte mehr mitzugeben und sich nach seinem Wohlergehen erkundigen. Nun aber noch ein paar Worte zur Stadt Wulanhot.

Dschingis Khan Museum


Es ist DER Hub für das nomadische Volk, dass sich bereits vor 6000 Jahren in der Großen Kinghan Ebene zivilisierte.Während der Jin Dynasty formte der Große Dschinghis Khan ein Imperium, dass weit in den Europäischen Kontinent reichte. Sein Nachkommen, Kublai Khan, vereinigte große Teile Chinas und formte die Yuan Dynastie, die auch immensen Einfluss auf die Kultur hatte wie wir sie heute als “typisch chinesisch” beschreiben wie zum Beispiel Teekannen, die vorwiegend von Nomaden benutzt wurden.

Dschingis Khan Denkmal

Seinem Namen alle Ehre macht das prunkvolle Denkmal etwas außerhalb des Stadtkerns. Ein pompöser Prachtbau, der am Abend noch majestätischer wirkt und den Herrscher über das größte zusammenhängende Reich der Menschheitsgeschichte gebührend in Szene setzt.

Was für ein Finale hier in Wulanhot, um auf meinem eigenen mongolischen Stahlpferd weiter in die nächste Provinz zu reiten!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.